Manchmal liest man eine Tabakbeschreibung und denkt sich: Das klingt nach Urlaub. Mango, Maracuja, Erdbeere, Mirabelle und Kirsche. Dazu ein Piratenname, eine karibische Serie und eine Dose, die einem freundlich zuruft: „Komm, stopf mich.“
Der Kopp Caribbean Blue Rackham gehört zur Caribbean Blue Serie von Kohlhase & Kopp. Laut Beschreibung handelt es sich um eine dänisch-aromatische Mixture aus Virginia, Black Cavendish und Burley, ergänzt durch Broken Flakes und Cube Cuts. Aromatisch soll es in Richtung Mango, Maracuja, Erdbeere, Mirabelle und Kirsche gehen.
Klingt nach karibischem Obstkorb mit Piratenhut.
Aber Papier raucht sich bekanntlich schlecht. Also Dose auf, Pfeife gestopft, Kaffee daneben und los.
Geraucht habe ich den Rackham in meiner Adventure 355 mit einem Jean-Claude-9-mm-Filter.
Der erste Eindruck aus der Dose
Ich sage es direkt: Die einzelnen Früchte rieche ich in der Dose nicht heraus.
Keine Mango, die einem entgegenwinkt. Keine Maracuja, die sich wichtig macht. Keine Kirsche mit rotem Samtvorhang. Für meine Nase riecht der Rackham eher wie einer dieser klassischen aromatisierten Pfeifentabake, die man noch aus Vaters Zeiten kennt.
Und das meine ich nicht negativ.
Es ist dieser typische süßliche Pfeifentabakgeruch. Angenehm, vertraut, ein bisschen altmodisch. Eher Ledersessel als Strandbar. Eher Wohnzimmer als Karibikinsel. Aber durchaus gemütlich.
Wer beim Öffnen der Dose eine klar erkennbare Fruchtmischung erwartet, wird hier vermutlich nicht direkt abgeholt. Zumindest meine Nase sagt: klassischer Aromat, keine Obstabteilung.
Stopfen und Anzünden
Das Stopfen macht keine Probleme. Der Tabak lässt sich gut handhaben und auch das Entzünden klappt problemlos.
Die ersten ein bis zwei Züge waren bei mir leicht scharf. Nicht schlimm, nicht zungenvernichtend, aber spürbar. Danach legt sich das jedoch direkt wieder und der Rackham läuft ruhig weiter.
Das ist schon mal angenehm. Es gibt Aromaten, die einem beim ersten Kontakt direkt erklären wollen, warum man doch besser Briefmarken sammeln sollte. Der Rackham benimmt sich nach einem kurzen Räuspern ordentlich.
Geschmack: Wo ist die Karibik?
Geschmacklich bleibt mein Eindruck ähnlich wie beim Dosengeruch.
Die einzelnen Früchte schmecke ich nicht klar heraus. Mango, Maracuja, Erdbeere, Mirabelle und Kirsche stehen zwar auf dem Papier, aber in meiner Pfeife treten sie nicht einzeln auf.
Für mich ist der Rackham eher ein süßlicher, leicht aromatisierter Tabak. Angenehm, aber nicht besonders intensiv. Ich bin da vielleicht auch durch die DTM Hammer etwas anderes gewohnt. Die gehen aromatisch deutlich kräftiger zur Sache. Der Rackham ist dagegen zurückhaltender.
Das muss nicht schlecht sein.
Nicht jeder Tabak muss einem mit beiden Händen ins Gesicht fassen und schreien: „Ich bin Frucht!“ Manchmal reicht es, wenn er gepflegt dasitzt, eine Weste trägt und nicht nervt.
Aber wer hier eine deutliche Fruchtbombe erwartet, könnte enttäuscht sein. Für mich ist es eher ein klassischer Aromat mit leichter Süße und wenig klarer Fruchtdefinition.
Rauchverhalten und Abbrand
Beim Abbrand macht der Rackham seine Sache gut.
Er brennt sauber, lässt sich unkompliziert rauchen und bei mir gab es kein Gurgeln. Das ist bei aromatisierten Tabaken schon mal ein Pluspunkt. Manche Aromaten bringen so viel Feuchtigkeit mit, dass man zwischendurch überlegt, ob man noch Pfeife raucht oder schon eine kleine Moorlandschaft kultiviert.
Beim Rackham war das nicht der Fall.
Geraucht habe ich ihn mit einem Jean-Claude-9-mm-Filter. Der Filter war nach dem Rauchen leicht verfärbt und recht feucht. Feuchtigkeit ist also durchaus vorhanden, aber sie kam bei mir nicht störend in der Pfeife an.
Die Asche war dunkelgrau.
Ab der Hälfte wird es ruhiger
Ab ungefähr der Hälfte tritt die Aromatik für mich deutlich zurück.
Dann ist der Rackham einfach mehr Tabak als Aroma.
Das klingt vielleicht negativer, als ich es meine. Er wird nicht unangenehm. Er kippt nicht völlig weg. Er wird auch nicht eklig oder beißend. Aber das bisschen Süße und Aroma vom Anfang wird schwächer und es bleibt ein recht schlichter Tabakeindruck.
Kein großes Piratendrama. Kein Säbelrasseln. Kein „Land in Sicht“.
Eher: Tabak, Kaffee, Rechner, weiterarbeiten.
Zum Ende hin wird er, wie viele Tabake für meinen Geschmack, leicht aschig. Nicht katastrophal, aber bemerkbar. Das ist für mich kein kompletter Punktabzug, sondern eher etwas, das ich bei vielen Mischungen am Schluss habe.
In der Adventure 355
Die Adventure 355 passt für mich gut zu diesem Tabak.
Sie ist günstig, unkompliziert und lässt sich gut clenchen. Genau das passt zum Rackham, denn für mich ist er kein Tabak, bei dem man sich ehrfürchtig in den Sessel setzen und jedes Aroma einzeln analysieren muss.
Er ist eher ein Nebenbei-Tabak.
Einer für den Computer. Für Arbeit. Für einen Kaffee daneben. Für Momente, in denen man Pfeife rauchen möchte, ohne dass der Tabak ständig Aufmerksamkeit fordert.
Und das ist durchaus eine Qualität.
Nicht jeder Tabak muss ein Erlebnisbericht mit dramatischer Musik sein. Manche dürfen einfach funktionieren.
Mein bisheriges Fazit
Der Kopp Caribbean Blue Rackham verspricht auf dem Papier mehr Frucht, als ich bisher in der Pfeife wiederfinde.
Die genannten Aromen klingen nach Mango, Maracuja, Erdbeere, Mirabelle und Kirsche. In meiner Adventure 355 mit 9-mm-Filter kommt bei mir aber eher ein klassischer, süßlicher Aromat an.
Nicht schlecht. Nicht kompliziert. Nicht nervig.
Aber eben auch keine karibische Fruchtbombe.
Seine Stärke liegt für mich in seiner Unkompliziertheit. Er lässt sich leicht entzünden, brennt gut ab, gurgelt nicht und eignet sich gut als Tabak nebenher. Gerade beim Arbeiten am Computer kann ich ihn mir gut vorstellen.
Er ist kein Tabak, über den man stundenlang philosophieren muss. Er ist eher einer, der sagt: „Mach du mal deine Arbeit, ich rauche mich solange unauffällig weg.“
Und manchmal ist genau das gar nicht verkehrt.
Vorläufige Bewertung
Dosengeruch: klassisch aromatisch, keine klar erkennbaren Einzelfrüchte
Aroma: süßlich, mild, zurückhaltend
Fruchtfaktor: niedriger als erwartet
Abbrand: gut
Gurgeln: keines
Filter: Jean-Claude 9 mm, leicht verfärbt und recht feucht
Asche: dunkelgrau
Stärke: eher leicht bis moderat
Komplexität: überschaubar
Nebenbei-Faktor: hoch
Passende Situation: Arbeit am Rechner, Kaffee daneben, Pfeife im Mundwinkel
Wiederkauf: noch offen
Nachtrag folgt
Ich werde den Rackham noch einmal in einer ungefilterten Corncob rauchen. Vielleicht kommen die Aromen dort etwas deutlicher durch. Gerade bei einem Aromaten kann ein Filter natürlich etwas wegnehmen.
Bis jetzt bleibt mein Eindruck:
Kopp Rackham ist für mich kein wilder Karibiktrip, sondern ein gepflegter, süßlicher Aromat alter Schule. Kein Feuerwerk, aber solide. Ein Tabak, der sich benimmt. Und manchmal ist das auch schon ganz angenehm.