Wer sich etwas länger mit Pfeifentabak beschäftigt, stößt zwangsläufig auf sie: Hausmischungen. Sie heißen „English Perique“, „Meermin“, „Nonnenwerth“, „Hausmischung Nummer 33“ oder schlicht „Jubiläumsmischung“. Manche tragen den Namen eines alteingesessenen Tabakhauses, andere klingen nach Seefahrt, Herrenclub oder einem Ort, an dem vermutlich seit 1874 niemand mehr bei Tageslicht gesehen wurde.
Hausmischungen besitzen einen besonderen Reiz. Sie wirken persönlicher als die bekannten Markentabake aus dem Regal. Man verbindet sie mit einem Händler, einer Stadt oder sogar mit einer bestimmten Person hinter dem Ladentisch. Gleichzeitig hält sich hartnäckig der Verdacht, viele dieser Mischungen seien lediglich bekannte Standardtabake, die in eine andere Dose gefüllt und mit einer hübschen Geschichte versehen werden.
Was stimmt nun?
Die ehrliche Antwort lautet: beides kommt vor. Dazwischen liegt allerdings eine ziemlich interessante Welt aus Händlertradition, industrieller Fertigung, Rezeptentwicklung, alten Mischungsstilen und kleinen Spezialitäten, die man tatsächlich nur bei einem bestimmten Anbieter bekommt.
Was ist überhaupt eine Hausmischung?
Der Begriff „Hausmischung“ ist nicht eindeutig geschützt. Er kann deshalb verschiedene Dinge bezeichnen.
Im ursprünglichen Sinn handelt es sich um einen Pfeifentabak, der nach den Vorstellungen eines bestimmten Tabakhändlers zusammengestellt wird. Der Händler entscheidet beispielsweise, welche Grundtabake verwendet werden, wie kräftig die Mischung sein soll, welches Schnittbild gewünscht ist und ob eine Aromatisierung hinzukommt.
Früher wurden solche Mischungen teilweise direkt im Geschäft aus verschiedenen Tabaken zusammengestellt. Der Händler kannte seine Kundschaft, wusste, wer lieber Virginia rauchte, wer nach Latakia verlangte und wer eine Mischung suchte, die im Wohnzimmer keinen sofortigen Scheidungsantrag auslöste.
Heute bedeutet „Hausmischung“ meistens, dass ein Händler eine eigene Rezeptur oder ein gewünschtes Geschmacksprofil bei einem professionellen Hersteller produzieren lässt. Das Ergebnis wird anschließend exklusiv oder überwiegend unter dem Namen des Händlers verkauft.
Daneben gibt es sogenannte Eigenmarken. Dabei kauft ein Händler oder eine Handelsgruppe einen bereits entwickelten Tabak ein und vertreibt ihn unter einem eigenen Namen. Das muss nicht schlecht sein. Es bedeutet lediglich, dass der Händler nicht unbedingt selbst mit Virginia-Blättern, Aromaflaschen und einer Feinwaage im Hinterzimmer steht.
Eine dritte Variante sind allgemein erhältliche Handelsmischungen, die von mehreren Geschäften unter unterschiedlichen Namen angeboten werden. Hier kann es tatsächlich vorkommen, dass zwei vermeintlich exklusive Tabake verdächtig ähnlich aussehen, riechen und schmecken. Manchmal liegt das daran, dass sie dieselbe Grundmischung verwenden. Manchmal sind sie tatsächlich identisch. Und manchmal ähnelt sich einfach nur die Rezeptur, weil Black Cavendish, Virginia und Vanille nun einmal keine vollkommen unbekannte Kombination darstellen.
Die Geschichte der Hausmischung
Hausmischungen sind keine Erfindung moderner Onlineshops. Sie stammen aus einer Zeit, in der der Tabakhändler noch ein Fachmann war, der lose Ware führte, Tabake auswählte und Mischungen nach den Wünschen seiner Kunden zusammenstellte.
Tabakgeschäfte waren häufig nicht nur Verkaufsstellen, sondern Treffpunkte. Der Händler wusste, welcher Kunde morgens eine milde Mischung benötigte, wer nach dem Abendessen einen kräftigen englischen Blend rauchte und wer seit 30 Jahren denselben Tabak kaufte und bei der kleinsten Rezeptänderung vermutlich einen Brief an den Bundespräsidenten verfasst hätte.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war es üblich, Tabak offen oder in größeren Gebinden zu lagern und in der gewünschten Menge abzuwiegen. Viele Händler entwickelten dabei eigene Mischungen. Manche orientierten sich an englischen, schottischen, holländischen oder später dänischen Stilen. Andere schufen Rezepturen für die örtliche Kundschaft.
Dabei darf man sich die damalige Herstellung allerdings nicht zu romantisch vorstellen. Auch früher wurde nicht jedes einzelne Blatt vom Ladenbesitzer persönlich bei Sonnenaufgang auf einer Plantage in Virginia ausgewählt. Händler bezogen Grundtabake, fertige Komponenten oder bereits vorbereitete Mischungen von Produzenten und kombinierten diese weiter.
Aus erfolgreichen Hausmischungen konnten mit der Zeit eigenständige Marken werden. Umgekehrt wurden bekannte Rezepturen nach dem Verschwinden eines Herstellers von anderen Firmen übernommen oder neu interpretiert. Die Grenzen zwischen Hausmarke, Handelsmarke und klassischer Tabakmarke waren schon damals weniger sauber, als es die vergilbten Fotografien ehrwürdiger Tabakgeschäfte vermuten lassen.
Mit der Industrialisierung, strengeren gesetzlichen Vorgaben, steuerlichen Anforderungen und dem Rückgang klassischer Fachgeschäfte verlagerte sich die eigentliche Produktion zunehmend zu spezialisierten Herstellern. Die Hausmischung verschwand dadurch aber nicht. Sie wechselte lediglich vom Mischpult hinter dem Ladentisch in die Produktionsräume professioneller Tabakunternehmen.
Wer stellt deutsche Hausmischungen heute her?
Einer der wichtigsten Namen in Deutschland ist Kopp Tobaccos, lange als Kohlhase & Kopp bekannt. Das Unternehmen sitzt in Rellingen bei Hamburg und produziert beziehungsweise betreut zahlreiche Pfeifentabakmarken und Rezepturen.
Kopp arbeitet nach einem besonderen Produktionsmodell. Nach einem ausführlichen Bericht aus der Fertigung bezieht das Unternehmen Tabake und Komponenten in unterschiedlichen Verarbeitungsstufen. Teilweise handelt es sich um Rohtabak, teilweise um bereits bearbeitete Komponenten wie Ready-Rubbed Virginia oder Kentucky. Auch fertige Grundmischungen können verwendet werden, vollständige Fertigblends bilden nach Angaben des Berichts jedoch nur einen kleineren Teil.
Das bedeutet: Nicht jede Mischung entsteht vollständig vom trockenen Blatt bis zur Dose in Rellingen. Gleichzeitig werden dort durchaus eigene Verarbeitungsschritte, Mischungen, Aromatisierungen und Rezeptanpassungen vorgenommen. In einer kleinen Branche ist dieses arbeitsteilige System vollkommen normal.
Bei zahlreichen deutschen Hausmischungen taucht Kopp als Hersteller oder verantwortliches Unternehmen auf. Ein Beispiel sind die nummerierten Mischungen des Tabakhauses Schneider. Bei dessen Hausmischungen Nummer 33 und Nummer 66 wird Kopp ausdrücklich als Hersteller beziehungsweise Importeur angegeben.
Neben Kopp war die Scandinavian Tobacco Group, kurz STG, ein besonders bedeutender Akteur. Zu ihrem Umfeld gehörten unter anderem traditionsreiche dänische Produktionsstätten und bekannte Marken. Auch einige weit verbreitete Hausmarken wurden der deutschen beziehungsweise früheren Bremer Struktur des Konzerns zugeordnet.
Ein weiteres Schwergewicht war Mac Baren. Das Unternehmen fertigte nicht nur eigene Marken, sondern arbeitete auch mit Händlern an exklusiven Mischungen. Tabac Benden, das Unternehmen hinter Cigarworld, erklärte beispielsweise bei der Einführung der Haustabake „St. Barry“ und „Meermin“, dass diese gemeinsam mit den Spezialisten von Mac Baren entwickelt worden seien.
Der Markt ist allerdings in Bewegung. Hersteller werden übernommen, Produktionsstätten geschlossen, Marken wechseln den Eigentümer und Rezepturen ziehen gelegentlich quer durch Europa. Für den Raucher bleibt auf der Dose derselbe Name stehen, während im Hintergrund bereits zum dritten Mal der Verantwortliche für die Produktion gewechselt hat. Die Tabakwelt trägt eben Tweed, ist wirtschaftlich aber trotzdem Kapitalismus.
Dominiert Kopp das Geschäft mit deutschen Hausmischungen?
Eine öffentlich zugängliche Marktstatistik, aus der sich ein genauer Anteil ablesen ließe, scheint es nicht zu geben. Deshalb wäre die Aussage „Kopp produziert die meisten deutschen Hausmischungen“ ohne interne Unternehmensdaten zu pauschal.
Trotzdem lässt sich feststellen, dass Kopp im deutschen Fachhandel außergewöhnlich präsent ist. Das Unternehmen verfügt über Erfahrung in der Entwicklung kleinerer und mittlerer Spezialserien, betreut zahlreiche Marken und taucht bei Händlerblends regelmäßig als Hersteller oder verantwortlicher Importeur auf.
Daneben spielten und spielen internationale Hersteller wie Mac Baren beziehungsweise deren heutige Eigentümer und die Scandinavian Tobacco Group eine erhebliche Rolle. Auch andere europäische Produzenten können Hausmarken oder exklusive Mischungen für deutsche Händler fertigen.
Der Eindruck einer starken Konzentration ist dennoch nicht falsch. Die Anzahl der Unternehmen, die Pfeifentabak in professioneller Qualität entwickeln, verarbeiten, versteuern, verpacken und gesetzeskonform auf den Markt bringen können, ist überschaubar geworden.
Wer heute als Tabakhändler eine eigene Mischung herausbringen möchte, ruft deshalb normalerweise nicht den örtlichen Bauern an und bestellt drei Ballen Burley. Er wendet sich an einen etablierten Produzenten, beschreibt die gewünschte Richtung und bespricht Rezeptur, Mindestmenge, Verpackung, Preis und gesetzliche Kennzeichnung.
Sind Hausmischungen nur Kopien bekannter Markentabake?
Manche ja. Viele nein. Und einige liegen irgendwo dazwischen.
Zunächst muss man zwischen einer Kopie und einer stilistischen Verwandtschaft unterscheiden.
Ein englischer Blend aus Virginia, Orient und Latakia ist nicht automatisch eine Kopie des Dunhill beziehungsweise Peterson Nightcap. Ein Virginia-Flake mit einer kleinen Portion Perique ist auch nicht zwangsläufig ein nachgebauter Escudo. Bestimmte Tabaksorten und Verarbeitungsarten bilden klassische Stilrichtungen, innerhalb derer sich viele Mischungen ähneln können.
Auch die dänische Aromatenwelt arbeitet häufig mit Virginia, Burley und Black Cavendish. Dazu kommen Vanille, Frucht, Nuss, Rum oder Schokolade. Wenn zwei Mischungen auf dieser Basis ähnlich schmecken, wurde nicht automatisch Tabakspionage betrieben.
Es gibt allerdings sogenannte „Match Blends“. Diese sollen bewusst an einen bekannten, eingestellten oder schwer erhältlichen Tabak erinnern. Gerade international ist das nichts Ungewöhnliches. Wenn eine legendäre Mischung verschwindet, versuchen andere Hersteller, deren Charakter nachzubilden. Das Ergebnis kann eine respektvolle Interpretation sein, eine grobe Annäherung oder ein Tabak, der mit dem Vorbild ungefähr so viel gemeinsam hat wie löslicher Kaffee mit einer frisch gezogenen Siebträgermaschine.
Außerdem existieren Private-Label-Produkte. Dabei wird eine vorhandene Mischung unter einer eigenen Handelsmarke verkauft. Der Händler erhält dann nicht zwingend eine exklusive Rezeptur. Für preisgünstige Hausmarken ist dieses Modell wirtschaftlich sinnvoll.
Eine ernsthafte Händler-Hausmischung entsteht dagegen häufig in mehreren Schritten. Der Händler beschreibt dem Hersteller, was er sucht. Es werden Muster gefertigt, probegeraucht und angepasst. Vielleicht soll mehr Virginia hinein, weniger Süße, ein breiterer Schnitt oder eine deutlich zurückhaltendere Aromatisierung. Der Hersteller setzt diese Wünsche technisch um.
Tabac Benden berichtete beispielsweise, dass an den Mischungen „St. Barry“ und „Meermin“ lange gearbeitet worden sei. Das klingt nicht nach einer Dose aus dem Regal, auf die am Freitagmittag hastig ein Pirat geklebt wurde.
Warum lassen Händler überhaupt eigene Tabake herstellen?
Eine Hausmischung schafft etwas, das ein normales Sortiment nur schwer leisten kann: Identität.
Wer bei Pfeifen Huber einen Huber-Blend kauft, verbindet den Tabak mit dem Münchner Traditionshaus. Ein Tabak von Peter Heinrichs trägt die Geschichte eines der bekanntesten deutschen Pfeifenhändler weiter. Eine Mischung von Tabac Benden gehört zur Welt von Cigarworld. Selbst eine einfache nummerierte Hausmischung erinnert den Kunden an ein bestimmtes Geschäft.
Dazu kommt die Exklusivität. Bekannte Markentabake kann der Kunde bei vielen Händlern kaufen. Eine echte Hausmischung bekommt er nur bei einem Anbieter oder einer begrenzten Händlergruppe. Dadurch entsteht Kundenbindung.
Außerdem können Händler Lücken im Sortiment schließen. Vielleicht fehlt eine milde englische Mischung ohne Nikotinkeule. Vielleicht wünschen die Kunden einen kräftigen Vanilletabak mit gutem Abbrand. Vielleicht soll ein alter holländischer Stil wiederbelebt werden, den große Hersteller kaum noch anbieten.
Hausmischungen geben einem Händler die Möglichkeit, nicht nur Verkäufer zu sein, sondern das Sortiment aktiv mitzugestalten.
Wie kommen Hausmischungen bei Pfeifenrauchern an?
Die Reaktionen reichen von großer Begeisterung bis zu gepflegtem Misstrauen.
Viele Pfeifenraucher mögen Hausmischungen gerade deshalb, weil sie abseits der großen Marken etwas Eigenständiges bieten. Besonders geschätzt werden Mischungen, bei denen der Händler offen kommuniziert, wer sie produziert, welche Tabake verwendet werden und welche Idee dahintersteht.
Andere Raucher sind skeptisch. Sie vermuten hinter jeder Hausmarke einen billigen Großgebinde-Tabak mit neuem Namen. Dieses Misstrauen ist nicht völlig unbegründet, aber häufig übertrieben.
Ein guter Hausblend kann einem bekannten Markentabak problemlos ebenbürtig oder sogar überlegen sein. Der Name auf der Dose sagt zunächst wenig über die Qualität aus. Entscheidend sind die verwendeten Komponenten, die Verarbeitung, die Abstimmung und am Ende natürlich der persönliche Geschmack.
Auffällig ist, dass erfolgreiche Hausmischungen häufig eine treue Anhängerschaft entwickeln. Sie werden weniger durch große Werbekampagnen bekannt als durch Empfehlungen, Foren, Treffen und Videos. Ein Pfeifenraucher bringt eine Dose mit, drei andere probieren, einer bestellt am nächsten Tag 250 Gramm und behauptet zwei Wochen später, er habe den Tabak schon immer gekannt.
So funktioniert ein erheblicher Teil der Pfeifenszene.
Bekannte und beliebte deutsche Hausmischungen
Eine objektive Bestsellerliste ist kaum möglich, weil Händler normalerweise keine genauen Verkaufszahlen veröffentlichen. Einige Namen tauchen in der deutschen und teilweise internationalen Pfeifenraucherszene jedoch immer wieder auf.
Peter Heinrichs Golden Sliced
Der Golden Sliced von Peter Heinrichs gehört zu den bekanntesten deutschen Händlerblends. Er ist ein Virginia-orientierter Schnitt mit einer treuen Fangemeinde und wird auch international besprochen.
Wichtig ist, ihn nicht mit dem Orlik Golden Sliced gleichzusetzen. Trotz des ähnlichen Namens werden die beiden Tabake von Rauchern deutlich voneinander unterschieden. Schon dieses Beispiel zeigt, dass ein ähnlicher Name nicht zwingend eine identische Mischung bedeutet.
Pfeifen Huber English Perique
Der English Perique von Pfeifen Huber wird in Foren, Blogs und Videos regelmäßig besprochen. Er gilt als eigenständiger Blend und ist ein gutes Beispiel dafür, dass deutsche Hausmischungen nicht nur aus süßen Aromaten bestehen.
Huber führt darüber hinaus weitere englisch orientierte und klassische Hausmischungen. Das traditionsreiche Geschäft besteht seit 1863 und besitzt damit eine Glaubwürdigkeit, die man nicht durch ein goldfarbenes Etikett aus dem Tintenstrahldrucker ersetzen kann.
Tabac Benden Meermin
Der Meermin Dutch Blend ist eine neuere Hausmischung von Tabac Benden beziehungsweise Cigarworld. Er verbindet Virginia, Burley, Kentucky, Orient und Black Cavendish und wird als leicht, süßlich und trockenfruchtig beschrieben.
Kundenbewertungen loben unter anderem seine fruchtigen, schokoladigen und würzigen Eindrücke. Besonders interessant ist, dass der Händler die Zusammenarbeit mit Mac Baren bei der Entwicklung offen benannt hat.
Tabac Benden St. Barry
Der St. Barry geht in eine andere Richtung. Er besteht aus Commonwealth-Virginias und Kentucky, wird kalt gepresst und anschließend locker aufgerubbelt. Ein Teil der Flakestruktur bleibt erhalten.
Damit richtet er sich eher an Freunde naturnaher, kräftigerer und traditionell britisch anmutender Mischungen. Er zeigt sehr schön, wie weit das Spektrum moderner Hausmischungen reicht.
Pfeifen Huber Selected Blends
Auch die Selected-Blends-Reihe von Pfeifen Huber besitzt einen guten Ruf. Besonders die englischen Mischungen werden in der Szene besprochen. Dabei handelt es sich nicht bloß um einen aromatisierten Alltagstabak, sondern um bewusst komponierte Blends für Raucher, die Latakia, Orient oder Perique suchen.
Die nummerierten Mischungen deutscher Tabakhäuser
Viele Händler führen Hausmischungen unter Nummern: Nummer 11, 22, 33, 44 oder 66. Das wirkt zunächst etwas nüchtern, hat aber Tradition. Die Nummer war früher oft praktischer als ein werbewirksamer Fantasiename.
Beim Tabakhaus Schneider reicht das Spektrum beispielsweise von Honig, Rum und Pflaume über Vanille und Kirsche bis zu kräftig-fruchtigen Mischungen. Als Hersteller beziehungsweise verantwortliches Unternehmen wird bei mehreren Sorten Kopp genannt.
Solche Mischungen sind häufig unkompliziert, aromatisch und alltagstauglich. Sie richten sich weniger an den Tabakphilosophen, der nach jedem Zug sechs Aromen in ein ledergebundenes Notizbuch einträgt, sondern an Menschen, die eine angenehme Pfeife rauchen möchten.
Danish Mixture Hausmarke
Die verschiedenen Danish-Mixture-Hausmarken gehören zu den verbreitetsten preisgünstigen Hausmarken in Deutschland. Angeboten werden unter anderem Vanille-, Kirsch-, Mango-, Schokoladen- oder Fruchtvarianten.
Diese Reihe ist weniger die exklusive Kreation eines einzelnen Fachhändlers als eine breit vertriebene Handelsmarke. Sie zeigt damit die andere Seite des Begriffs Hausmischung: solide, günstig, leicht verfügbar und bewusst massenkompatibel.
Puristen werden dabei möglicherweise das Monokel verlieren. Für viele Gelegenheitsraucher funktionieren solche Tabake trotzdem hervorragend.
Woran erkennt man eine gute Hausmischung?
Zunächst sollte man sich die Pflichtangaben ansehen. Wer ist Hersteller, Importeur oder verantwortliches Unternehmen? Diese Angaben verraten oft mehr als die romantische Beschreibung auf der Vorderseite.
Auch eine ausführliche Deklaration der verwendeten Tabake ist hilfreich. „Erlesene Tabake aus den besten Anbaugebieten der Welt“ klingt zwar würdevoll, bedeutet aber ungefähr so viel wie „mit Liebe gemacht“ auf einer Tiefkühlpizza.
Interessanter sind konkrete Angaben:
Welche Tabaksorten sind enthalten?
Handelt es sich um einen Loose Cut, Flake, Ready Rubbed oder Curly?
Ist die Mischung aromatisiert?
Wo wird sie hergestellt?
Wurde sie exklusiv entwickelt oder handelt es sich um eine Handelsmarke?
Gibt es Informationen über die Zusammenarbeit mit einem Hersteller?
Danach hilft nur noch das Probieren. Gerade Hausmischungen sollte man möglichst nicht sofort in Großgebinden kaufen. Ein Tabak kann großartig riechen und trotzdem in der Pfeife enttäuschen. Umgekehrt wirken manche naturnahen Mischungen in der Dose wie getrocknetes Herbstlaub aus einem leicht feuchten Schuppen und entwickeln unter Feuer eine erstaunliche Tiefe.
Das Problem der Rezepturänderungen
Hausmischungen hängen stärker als große Marken von einzelnen Produzenten, verfügbaren Komponenten und wirtschaftlichen Mindestmengen ab. Wechselt der Hersteller oder ist ein bestimmter Grundtabak nicht mehr erhältlich, kann sich die Mischung verändern.
Auch Rohtabak ist ein Naturprodukt. Ernten unterscheiden sich. Aromen müssen wegen gesetzlicher Vorgaben angepasst werden. Produktionsstätten schließen oder werden verlagert. Selbst bei unveränderter Rezeptur kann ein Tabak deshalb nach einigen Jahren etwas anders schmecken.
Bei Hausmischungen kommt hinzu, dass ältere Händlerrezepte manchmal nur noch als Beschreibung oder Muster existieren. Ein neuer Produzent muss dann versuchen, den früheren Charakter zu treffen.
Deshalb sind Aussagen wie „Der schmeckt heute nicht mehr wie 1996“ nicht zwangsläufig Einbildung. Andererseits verändert sich auch der Raucher. Geschmack, Pfeife, Stopftechnik, Alterung des Tabaks und nostalgische Erinnerungen spielen eine Rolle. Der Tabak von früher schmeckte schließlich auch deshalb so gut, weil damals der Rücken noch nicht wehtat.
Sind Hausmischungen günstiger?
Nicht automatisch.
Einfache Handelsmarken können günstiger sein, weil sie ohne großes Marketing und in größeren Mengen produziert werden. Exklusive Kleinserien können dagegen genauso viel oder mehr kosten als bekannte Markentabake.
Bei einer echten Händlerkomposition bezahlt man nicht nur den Tabak. Man bezahlt auch Entwicklung, Musterproduktionen, kleinere Stückzahlen, Verpackung und das wirtschaftliche Risiko des Händlers.
Der Vergleich sollte deshalb nicht nur über den Preis pro 100 Gramm erfolgen. Ein preiswerter Tabak, den man nach drei Pfeifen nicht mehr sehen kann, ist ausgesprochen teuer. Eine teurere Hausmischung, die man über Jahre gerne raucht, kann dagegen ein sehr vernünftiger Kauf sein.
Das Fazit: Zwischen Tradition und Handelsrealität
Hausmischungen sind weder automatisch geheime Meisterwerke noch grundsätzlich umetikettierte Massenware.
Unter dem Begriff verbergen sich verschiedene Modelle: individuell entwickelte Händlerblends, exklusive Rezepturen, leicht veränderte Grundmischungen, breit vertriebene Eigenmarken und gelegentlich tatsächlich bekannte Tabake in neuer Kleidung.
Die eigentliche Frage sollte deshalb nicht lauten: „Ist das eine Hausmischung?“
Interessanter ist:
Wer hat sie entwickelt? Wer produziert sie? Ist sie exklusiv? Welche Tabake enthält sie? Und vor allem: Schmeckt sie?
Gerade in Deutschland gibt es eine bemerkenswerte Auswahl an Händlerblends. Traditionshäuser wie Pfeifen Huber oder Peter Heinrichs, große Fachhändler wie Tabac Benden und zahlreiche regionale Tabakgeschäfte haben Mischungen im Angebot, die weit mehr sind als billige Kopien.
Hersteller wie Kopp, Mac Baren und die Scandinavian Tobacco Group haben beziehungsweise hatten dabei erheblichen Einfluss. Sie liefern das technische Wissen und die Produktionsmöglichkeiten, während der Händler die Idee, den Stil und den Kontakt zur Kundschaft einbringt.
Vielleicht liegt genau darin der Reiz einer guten Hausmischung. Sie ist kein Produkt eines einsamen Genies, das bei Kerzenlicht über einem Fass Virginia meditiert. Sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit: zwischen Händler, Hersteller und Rauchern.
Und manchmal entsteht daraus ein Tabak, den man ursprünglich nur aus Neugier bestellt hat – und der zehn Jahre später immer noch im eigenen Regal steht.
Nicht, weil er eine große Marke trägt.
Sondern weil er schmeckt.