Es ist 9 Uhr morgens.
Ich sitze in meinem Büro, Homeoffice wie so oft. Der Kaffee steht neben mir, schwarz, noch etwas zu heiß für den ersten großen Schluck. Im Hintergrund läuft ein 90er-Jahre-DJ-Stream auf Twitch. Keine perfekte Playlist, kein Algorithmus, sondern Musik, die einfach da ist. Ab und zu sagt jemand etwas, ein kurzer Gruß, ein Kommentar. Genau diese Mischung mag ich. Musik und Stimmen. Nicht aufdringlich, nicht fordernd. Es fühlt sich weniger allein an so.
Die Pfeife ist gestopft.
Heute mit Devil’s Holiday von DTM. Und ja – das ist keine dezente Nummer. Das ist eine Fruchtbombe. Rabenschwarzer Black Cavendish, etwas Virginia darunter, aber geschmacklich ganz klar: Waldbeeren. Süß, voll, intensiv. Schon beim Anzünden liegt dieser beerige Duft im Raum, fast wie eine Mischung aus Waldbeeren-Tee und süßem Dessert. Ein Tabak, der nicht flüstert, sondern freundlich lächelt und sagt: Heute darf es gemütlich sein.
Der Rauch steht weich im Raum, der Kaffee ist inzwischen trinkbar, und die Gedanken kommen langsam in Bewegung. Nicht getrieben, nicht geplant. Eher so, wie sie kommen, wenn man sich erlaubt, kurz nichts zu müssen.
Und genau in so einem Moment kam sie, diese Idee.
Unaufgeregt.
Unkompliziert.
Und überraschend stimmig.
Warum eigentlich nicht einfach mal ein unverbindliches Rauchertreffen organisieren?
Kein Club mit Satzung.
Keine Messe.
Keine Verkaufsstände.
Kein Programm, das abgearbeitet werden muss.
Einfach Menschen zusammenbringen, die Pfeife, Zigarre oder Zigarillo mögen. Die Lust haben, sich in geselliger Runde zu treffen. Bei einem Kaffee, einem Bierchen oder auch einfach nur einem Glas Wasser. Menschen, die genießen wollen, ohne vergleichen zu müssen. Ohne Szenegehabe. Ohne Erklärungen.
Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Genau solche Räume fehlen oft. Orte, an denen man sein darf, ohne etwas darstellen zu müssen. Wo Genuss nicht zum Event aufgeblasen wird, sondern Begleitung ist. Wie dieser Stream im Hintergrund. Er läuft einfach. Und wenn man will, hört man zu.
Der Ort dafür war schnell klar: Andy’s Caffè & Bar. Ein guter Bekannter, eine Bar mit Herz – und vor allem mit einem separaten Raucherraum. Kein heimliches „eigentlich darf man hier nicht“, kein schlechtes Gewissen. Sondern ein Raum, in dem Rauchen noch Teil der Atmosphäre sein darf. Gespräche entstehen dort nicht, weil sie sollen, sondern weil sie können.
Noch bevor der Termin endgültig feststand, habe ich angefangen zu feilen. An Gedanken, an Texten, an Informationen. Auch an ersten Reels. Nicht, weil alles schon fix war, sondern weil sich diese Idee lebendig anfühlte. Datum und Uhrzeit lassen sich austauschen – das ist nicht der Kern. Der Kern ist das Gefühl dahinter.
Es soll ein lockeres Treffen von Pfeifen-, Zigarren- und Zigarilloliebhabern werden. Kein elitärer Kreis, keine Zugangshürden. Wer Lust hat, kommt vorbei. Wer nichts sagen möchte, darf schweigen. Wer reden will, findet ein Gegenüber.
Meine Holde wäre dabei.
Eine Bekannte aus dem Netz ebenfalls.
Und spätestens da war klar: Das ist keine fixe Idee, die im Stillen verpufft. Das trägt sich schon jetzt durch Menschen.
Jetzt geht es darum, den Gedanken langsam nach außen zu tragen. Ein bisschen Werbung in den lokalen Gruppen rund um Großalmerode und Umgebung. Vielleicht auch darüber hinaus. Ruhig, unaufdringlich. Kein Eventgeschrei, eher ein leiser Hinweis: Da entsteht etwas. Wer mag, ist willkommen.
Ganz bewusst soll es keine Messe sein.
Kein Schaulaufen.
Kein „Sehen und gesehen werden“.
Sondern ein Treffen zum gemütlichen Konsumieren unserer liebsten Rauchgüter. Mit Zeit. Mit Respekt. Mit Haltung. Pfeife, Zigarre, Zigarillo – alles darf, nichts muss. Gespräche dürfen entstehen, müssen aber nicht.
Vielleicht bleibt es bei einem Abend.
Vielleicht wird es eine kleine Reihe.
Vielleicht entwickelt sich daraus etwas Eigenes.
Im Moment ist all das offen – und genau das fühlt sich richtig an.
Manchmal braucht es nicht mehr als einen ruhigen Morgen, eine Pfeife mit einer ordentlichen Portion Waldbeeren-Aroma, einen schwarzen Kaffee und das Gefühl, dass man nicht ganz alleine ist. Vielleicht ist genau daraus der Werrataler Rauchkreis entstanden. Nicht als Verein, nicht als Marke, sondern als Idee.
Eine Idee von Genuss, Zeit und Haltung.
Und vielleicht reicht das schon, um einen Raum zu öffnen.